Wohnungswirtschaft vor neuen Fragestellungen
Bei einem Bestand von ca. 20.600 Wohnungen befindet sich auch gegenwärtig jede dritte Wohnung an Elbe und Mulde im Eigentum der vier großen Vermieter. In seiner Rede konnte Tschammer vor den geladenen Gästen aus Politik und Wirtschaft eindrucksvolle Zahlen präsentieren. Bei einer Gesamtbilanzsumme von 510 Mio. Euro und einem jährlichen Umsatz von 68 Mio. Euro hätten die Unternehmen allein im vergangenen Jahr 20,6 Mio. Euro in ihre Wohnungsbestände investiert. Mit insgesamt 3.063 abgerissenen bzw. zurück gebauten Wohnungen habe besonders die DWG einen wesentlichen Beitrag für den Erfolg des Stadtumbaus geleistet.
Die in den vergangenen Jahren sichtbar gewordene Veränderung der Altersstruktur der Mieter sei eine, der bisher größten sozialen Herausforderungen für die Unternehmen. Mit der Schaffung von 405 barrierefreien sowie 1.309 altersgerechten Wohnungen hätten die vier Vermieter sehr zeitnah auf diese Entwicklung reagiert, ohne jedoch den großen Bedarf abdecken zu können.
„Die Wohnungsunternehmen sind ein unverzichtbarer Partner für die Stabilität des Wirtschaftslebens in unserer Region“, führte der Vorstandsvorsitzende aus. Durch die Auftragsvergabe der vier Vermieter seien in der Stadt insgesamt 320 Dauerarbeitsplätze in den Betrieben des Handwerks sowie weitere 250 Arbeitsplätze in den Unternehmen der Kommune abgesichert.
Tschammer
machte aber zugleich auch deutlich, dass die vier großen Vermieter vor
großen sozialen Problemstellungen stehen. Der größte Teil der ALG II-
Bedarfsgemeinschaften und sehr viele Geringverdiener seien durch die rapide
steigenden Kosten für Heizung und Warmwasser finanziell überfordert.
Immer mehr entwickle sich auch der Gesetzgeber mit einer Flut von neuen Verordnungen, wie zum Beispiel mit Forderungen und Fristen zur Wärmedämmung, der Rauchmelderpflicht sowie zur Legionellenkontrolle zum Kostentreiber.
Im Namen der vier großen Vermieter forderte Hans Tschammer die Kommune zu einer Anhebung der Obergrenzen der Kosten für die Unterkunft sowie zur Überprüfung der Angemessenheitskriterien auf.
Dem erstmalig anwesenden Landesminister für Landesentwicklung und Verkehr, Thomas Webel, wurde in der Rede die Erwartungsposition der Wohnungswirtschaft mit auf den Weg gegeben.
Ganz oben auf der Liste stand die Forderung nach einem Verzicht auf die von der Landesregierung geplante Erhöhung der Grunderwerbssteuer, nach der Fortsetzung der sozialen Wohnraumförderung ab 2014 sowie nach einer ausreichenden Abrissförderung und Altschuldenentlastung. Wichtige Fragestellungen, die der Verbandsdirektor Ronald Meißner in seinem Grußwort aus der Sicht der beiden wohnungswirtschaftlichen Verbände ausdrücklich unterstrich.
Minister Thomas Webel, der diese Forderungen bereits auf anderen Empfängen zur Kenntnis nahm, verdeutlichte in seiner Rede die engen finanziellen Spielräume der Landesregierung. In den Fragen der sozialen Wohnraumförderung und der Altschuldenhilfe sei gegenwärtig „vieles auf dem Prüfstand und in der Planung.“ In Sachen Grunderwerbssteuer fiel seine Antwort knapp und aktuell aus. Der Landtag hatte am gleichen Tag bereits die Weichen zur Erhöhung gestellt.
Ein großes Lob für die erreichte Bilanz in der Arbeit der Dessau-Roßlauer Vermieter überbrachte Oberbürgermeister Klemens Koschig in seinem Grußwort. Im Hinblick auf die Kriterien der Angemessenheit von Wohnraum für die ALG II –Bedarfsgemeinschaften informierte er darüber, dass für die Stadt ein verbindlicher Mietspiegel angestrebt werde.
