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DWG- Sozialarbeit in neuer Dimension

Mitarbeiter als erste Ansprechpartner in den Wohngebieten an Elbe und Mulde

Die aktuellen Berichte über Familientragödien wegen Überschuldungen und vernachlässigte Kinder schrecken regelmäßig die Öffentlichkeit auf. Es gehört zu den Tatsachen, dass Kurzschluss- Handlungen immer häufiger auch in äußerlich intakt erscheinenden Familien auftreten und auch an Elbe und Mulde sicher nicht ausgeschlossen werden können.

Für die Geschäftsführung der Dessauer Wohnungsbaugesellschaft mbH stehen nicht nur diese brisanten Fragen, sondern auch alle anderen Facetten des Zusammenlebens der unterschiedlichen Generationen im Mittelpunkt der sozialen Arbeit des Unternehmens. Mit etwa 13.000 Wohnungen ist das Unternehmen nicht nur der größte Vermieter an Elbe und Mulde, sondern zugleich auch in den Wohngebieten mit der realen Wirklichkeit des Lebensalltags konfrontiert. Die Auswirkungen der aktuellen Wirtschaftskrise werden inzwischen auch in Dessau-Roßlau spürbarer.

„Unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind auf die neuen Entwicklungen eingestellt", erklärte Geschäftsführer Joachim Schlichter. Im Rahmen der Durchsetzung der Sozialreformen der Bundesregierung habe die Sozialarbeit der DWG einen noch größeren Stellenwert erhalten und das Unternehmen verstehe sich in diesen Fragen als unverzichtbarer Partner des Jobcenters und der Ämter der Stadt. „Durch unser flächendeckendes Netz der Hauswarte in den Stadtgebieten sowie durch die basisorientierte Arbeit der Kundenbetreuer und die Sozialarbeiter können wir eine wirksame Hilfe vor Ort durch die Aufnahme von Beratungsgesprächen und die Einschaltung der zuständigen Ämter der Stadt leisten", erläuterte Schlichter. Die Mitarbeiter hätten für die vielfältige Problemlage inzwischen ein gutes Gespür entwickelt.

„Unser wichtigstes Ziel ist die Verhinderung von Obdachlosigkeit", führt Joachim Schlichter den Gedanken fort. Jedoch könne die soziale und präventive Arbeit der DWG nur eine Hilfe zur Selbsthilfe sein. „Wir können jedoch die Ratsuchenden nicht durch die Widrigkeiten des Lebens hindurch tragen", bekräftigte der Geschäftsführer.

„Es gibt nicht in jeden Fall ein Patentrezept für eine Lösung. Besonders die drei Sozialarbeiter sind mit einem großen persönlichen Engagement im täglichen Einsatz in den Wohngebieten", ergänzte Abteilungsleiterin Eleonore Becker.

Sorge bereitet der DWG die gestiegene Zahl junger Mieter, die nach dem Bezug der ersten eigenen Wohnung in Zahlungsverzug geraten. „Vielen jungen Leuten sind sich über die Konsequenzen eines Wohnungsverlustes und die mit einer Zwangsräumung verbundenen Kosten nicht im Klaren", betonte Becker. In den Gesprächen habe sich gezeigt, dass ein großer Teil der Jugendlichen große Defizite im eigenverantwortlichen Umgang mit dem zur Verfügung stehenden Geld aufweise und falsche Prioritäten setze. Der Großvermieter plane daher in diesem Jahr eine intensivere Informationstätigkeit an den Berufsschulen und den Gymnasien der Stadt.

Mit der gestiegenen Zahl der allein stehenden Mütter mit Kleinkindern sei auch das Verantwortungsfeld dieser Mitarbeiter weiter gewachsen. Eine Tätigkeit, die eigentlich über die klassische Aufgabenstellung der Wohnungswirtschaft weit hinausgeht, aber angesichts der vielen Ratsuchenden auch im kommunalen Interesse unbedingt erforderlich ist. Besonders zu den jungen Müttern und Familien hätten die DWG- Mitarbeiter einen stabilen Kontakt aufgebaut. Im Schnitt betreuen die Sozialarbeiter gegenwärtig etwa 1.700 Mieterinnen und Mieter zu allen Fragen des sozialen Alltags. Die Zahl wird in den nächsten Jahren noch weiter steigen, denn der Aufschwung ist bei vielen Menschen ganz offensichtlich nicht angekommen. „Oft müssen von unseren Mitarbeitern zunächst die Wege zur Inanspruchnahme von Hilfen aufgezeigt werden. Das beginnt mit der praktischen Unterstützung bei der Ausfüllung von Anträgen bis zur Begleitung zu den Ämtern in der Stadt", erläuterte Eleonore Becker. Nicht nur die finanziellen Belange, sondern zum Beispiel auch die schnelle Vereinbarung einer notwendigen gesundheitlichen Betreuung spielten dabei eine immer größere Rolle in der Präventionsarbeit der DWG. Es sei aber neben den allgemeinen gesundheitlichen Fragen auch die Suchtproblematik, die an Bedeutung gewinnt. Immer stärker mache sich die Zunahme von Alkoholabhängigkeit in der Beratungstätigkeit der Sozialarbeiter bemerkbar, wo Möglichkeiten der therapeutischen Behandlung abzuklären sind. Ohne die hilfreiche Hand der DWG- Mitarbeiter würden viele Betroffene den Weg aus dem Teufelskreis nicht finden, betonte Geschäftsführer Joachim Schlichter und unterstreicht die kommunalpolitische Komponente der Sozialarbeit der DWG. „Unsere Mitarbeiter werden immer mehr zu Vertrauenspersonen der betroffenen Mieter".

Schlichter wies in diesem Zusammenhang darauf hin, dass die DWG in der Stadt der größte interkulturelle Vermieter für Migranten sei, die 50 Nationalitäten und ethnischen Gruppen angehörten. „Besonders unsere Sozialarbeiter begleiten diesen Personenkreis bei Problemlösungen". Darüber hinaus bestünden sehr intensive Kontakte auch zur Jüdischen Gemeinde Dessau in den Fragen der Versorgung der Spätaussiedler mit Wohnraum.

Das Zusammenleben in den Wohngebieten hat sich nach den Erfahrungen des Großvermieters in den letzten Jahren wesentlich verändert.

Die Zeiten, wo sich die Mieter um den Nachbarn sorgten, sind mit dem Generationswechsel auch in den Beständen der DWG vorbei. Doch Eleonore Becker kennt Beispiele, wo die Nachbarschaftshilfe und das aufmerksame Miteinander in den Häusern noch funktionieren.

„Der Trend zur Anonymisierung, zur Vereinzelung und zur nachbarschaftlichen Auseinandersetzung wird jedoch immer stärker sichtbar", räumte die Abteilungsleiterin ein. Über persönliche Probleme mögen viele Menschen nicht gerne reden. Da stehe auch der Vermieter zunächst vor einer unsichtbaren Mauer. Eleonore Becker nannte das Beispiel eines offenen Fensters in einem Treppenhaus, wo sich über Monate ein umfänglicher Schriftverkehr mit zwei streitenden Mietern entwickelte, der inzwischen einen ganzen Leitz- Ordner fülle. „Es gab Zeiten, da haben die Mieter miteinander im Gespräch diese Probleme geklärt", bedauerte die Abteilungsleiterin. Für die Mitarbeiter der DWG eine schwierige Hürde, die mit viel Zeitaufwand und nur in individuellen, persönlichen Gesprächen genommen werden kann.

Eine Aufgabenstellung, die andere Vermieter in dieser Dimension nicht übernehmen wollen oder können. Ein Alleinstellungsmerkmal für das Unternehmen, das nicht immer zur öffentlichen Wahrnehmung führt. „Es sind die tausend kleinen Dinge des Alltags, wo die Mitarbeiter aktiv tätig sind. Zufriedene Kunden schreiben selten Leserbriefe", merkte Joachim Schlichter an.


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