„Hier sollen Wohnhäuser gestanden haben?" Eine Besuchergruppe, aus dem fernen Solingen für mehrere Tage zu Gast in Dessau, vermochte sich die einstige enge Bebauung im Heinz- Steyer- Ring nicht so recht vorzustellen. Nicht nur die Touristen aus dem Bergischen Land, sondern in wachsendem Maße auch viele Mulde- und Elbestädter müssen schon angestrengt über die Standorte von längst verschwunden Wohnblöcken nachdenken, wo inzwischen ein großzügiges Grün entstanden ist.
Die vergangenen sieben Jahre haben das Gesicht der Stadt grundlegend verändert. Für die Dessauer Wohnungsbaugesellschaft mbH als größter Vermieter und Hauptakteur im Stadtumbauprozess wieder eine Gelegenheit, Bilanz zu ziehen. „Seit dem Jahr 2002 wurden von der DWG bis zum Juli 2009 insgesamt 2.571 Wohnungen und 19 Gewerberäume abgerissen bzw. zurückgebaut", erklärte Geschäftsführer Joachim Schlichter am 12. August in einer Pressemitteilung. Allein in diesem Jahr seien 198 Wohnungen sowie 3 Gewerberäume vom Markt genommen worden. Schlichter verwies in diesem Zusammenhang auf die gerade abgeschlossenen Maßnahmen im Bereich der Radegaster Straße 2 sowie in der Raguhner Straße 51, 53- 65.
Hinter den nüchternen Zahlen verbirgt sich jedoch ein ganzes Bündel von Problemen, die von der DWG im Gegensatz zu anderen ostdeutschen Unternehmen konfliktarm gelöst werden konnten. „Wir haben die Freilenkung der Wohnungen sehr langfristig mit den Mietern beraten und die erforderlichen Umzüge aktiv unterstützt", erläuterte der Geschäftsführer. Der gesamte Stadtumbauprozess sei von der DWG ohne rechtliche Auseinandersetzungen realisiert worden, während in anderen Städten die Gerichte nach kontroversen Auseinandersetzungen die Entscheidungen treffen mussten.
„Stadtumbau ist jedoch nicht nur Abriss, sondern stets auch verbunden mit der planmäßigen Aufwertung ausgewählter Bestände", bekräftigte Joachim Schlichter und verwies auf die in der zurückliegenden Zeit durchgeführten Vorhaben der DWG in der Innenstadt. So seien die Sanierungs- und Modernisierungsmaßnahmen in der Humperdinckstraße 26 bis 27, in der Kantorstraße 7 bis 11 und Steinstraße 11 sowie die umfangreiche Neugestaltung der Hofbereiche in der Zerbster Straße 7 bis 27 inzwischen abgeschlossen worden. In unmittelbarer Vorbereitung befinde sich die Sanierungs- und Modernisierungsmaßnahme des Wohnhauses Kavalierstraße 63 bis 69 in der unmittelbaren Nähe zum „Alten Theater".
Die DWG sieht sich hier in der langen Tradition ihres Gründungsvaters. „Wagemutig neue Schritte gehen und der Stadt mit Tatkraft ein neues Gesicht geben", hatte der damalige Geschäftsführer Theodor Overhoff unmittelbar nach dem Krieg die Zielstellung der sozialen Wohnungswirtschaft formuliert. Joachim Schlichter erinnerte an diese Devise, die auch im 90. Gründungsjahr für die DWG für die Weiterführung des Stadtumbaus von aktueller Bedeutung sei.











